Heute ist er. Meine Güte, ging das schnell vorbei. Die letzten Tage hier konnte ich in Luis’ Haus schlafen. Die Besitzerin (Lee) war unglaublich zuvorkommend und freundlich. Die ersten drei Tage hatte ich sogar ein eigenes Zimmer (zehn AUD pro Nacht), von gestern auf heute habe ich in Luis Zimmer gepennt, da Igor in das andere eingezogen ist. Mein Kumpel (und Exkommilitone) Nat hat Samstag thailändisch gekocht (und zwar ziemlich überzeugend, denn er ist Thailänder). Scharf, aber sehr gut! Überhaupt war alles gut in dem Haus. Bis auf den wirklich gefährlichen Hund, der da manchmal rumläuft und Luis auch schon mal gebissen hat und dieser so gerade noch über eine Mauer flüchten konnte.
Ich habe probiert, über die Tage so vielen Leuten, wie möglich, “Au Revoir” zu sagen. Leider hab ich nicht alles geschafft.
Freitag habe ich mir “Pirates Of The Carribean” im Kino angeguckt, Samstag war ich mit Pete und Dan Billard spielen. Danach wollte ich eigentlich noch mit Heidi und ein paar Freunden ins “Fridays”, aber ich habe sie leider nicht erreicht und war einfach zu müde. Gestern war ich mit Luis bei Jeff (dem Soldaten). Von allen Australiern ist mir der Mann wirklich der sympathischste. Seine Frau hat unglaublich gut gekocht und ich habe mit ihm das wohl beste Bier Australiens getrunken. Anschliessend war ich noch bei meinem Anwalt.
Marcie ist bereits in Aachen angekommen. Hat alles bestens geklappt. Ich fliege hier heute abend ab. Leider ist mein Gepäck etwas zu schwer. Ich hoffe mal, das macht keine Probleme. Emirates war bis jetzt immer äußerst kulant.
Tja, und das war es dann wohl mit Australien. Rückblickend kann man wohl sagen, dass wir, unsere finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten berücksichtigend, sehr viel unternommen und gesehen haben. Auf unserer TODO-Liste wurde jedenfalls das meiste abgehakt. Wir haben das Leben in Australien gelebt, sahen Fraser Island, sind jetzt zertifizierte Taucher, waren im Outback, haben Sydney gesehen, Marcie war in Melbourne, wissen (ganz nebenbei) alles nötige über das Studentedasein Down Under, sind durch die Blue Mountains gewandert, durchsegelten die Whitsunday Islands, waren in Neuseeland, ich war Falschirmspringen, wir waren Snowboarden und haben unglaublich viele, unglaublich nette Menschen aller möglichen Nationalitäten getroffen. Die wichtigsten (garantierte Unvollständigkeit): Mexikaner (Luis), Brasilianer (Igor), Halbe Österreicher (Heidi, Tony), ganze Österreicher (deren Eltern), Papua-Neuguineaner (Judah), Schweizer (Rene), Australier (Tim, Jeff, Matthew), Neuseeländer (Pete, Dan), Deutsche (Chris), Thailänder (Nat), Chinesen (Eric), Engländer (Danika, Ian). Und hunderte anderer Leute, deren Namen ich nicht mehr nennen kann: Amerikaner (größtenteils recht gebildete, kluge Menschen), Franzosen, Schwedinnen (ihr kennt die Vorurteile über deren Aussehen. Sie stimmen alle!), Japaner, Griechen, Dubaianer, und und und.
Eines ist mir aufgefallen: Nirgendwo auf der Welt ist das Bild der Deutschen so schlecht wie in Deutschland selbst. An der Uni war es eigentlich immer so: “Oh, du bist Deutscher? Ah, ok. Ingenieur, Ingenieur. Sehr zuverlässige und gut organierste Menschen…” Nun, das trifft sicherlich nicht wirklich auf mich zu. Aber das interessierte nicht. Sobald ich gute Noten hatte, irgendwem irgendwas bezüglich irgendwelcher mathematischen Begriffe erklärte oder einfach nur klarstellte, dass Amerikanische Autos Abfall sind: “Hah, der Deutsche wieder! Ingenieur, Ingenieur. Sehr zuverlässige und gut organierste Menschen…” Hab mich relativ schnell daran gewöhnt und den dicken geschoben, wie ihr euch sicherlich denken könnt. Sieht man im australischen Fernsehen eine beliebige Werbung für beliebige Autohersteller, so kann man sicher sein, dass mit “German Engineering” geworben wird. Man kann in Deutschland sogar Deutsches Fernsehen (mit englischen Untertiteln) gucken (”Deutsche Welle“). Da läuft Kommissar Rex. Heidi ist sein größter Fan. Rex ist hier der bekannteste Deutsche. Nicht Adolf Hitler. Überhaupt spricht einen keiner auf das dritte Reich an und wenn, dann höchstens irritiernd, beispielsweise: “You are German? Yeah, man. Germans kick ass in war!”. Ok, das will man nicht unbedingt hören, aber der Aussie meinte das wohl in der Tat freundlich…
Es war super hier! Wir sehen uns hoffentlich bald, Freunde!